24/11/17

„Menschen, ihre Schwächen und Nöte“

„Wir sehen Menschen, ihre Schwächen und Nöte“

Sozialamtsleiter berichtete bei der Senioren-Union (SEN)

     

„Uns geht´s gut“ - die Wirtschaft boomt und die Arbeitslosigkeit tendiert in Richtung Vollbeschäftigung, Dessen ungeachtet erscheinen in jüngster Zeit zunehmend kritische Stimmen und Warnungen auch in seriösen Medien und Publikationen (z.B. Bertelsmann-Stiftung, Hans-Böckler-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung und auch im Armutsbericht der Bundesregierung), die andeuten, dass in nächster Zeit für immer mehr Senioren der erhoffte „sorgenfreie Ruhestand“ vermutlich unrealistisch sein dürfte. Gleich einem Menetekel an der Wand taucht der Begriff „Altersarmut“ auf. Von manchen Publizisten und Politikern wird Altersarmut leider immer noch als Fake News abgetan. Und auch im zurückliegenden Wahlkampf war Altersarmut kaum ein Thema. 

Was ist Wahres dran an diesem Menetekel und was fällt in die Rubrik „Bange machen“ ? -  Genau darauf erhofften sich die Senioren und Seniorinnen der Rosenheimer CSU-Senioren Union (SEN) sowie interessierte Zeitgenossen kompetente Antworten und hatten dazu Rosenheims Sozialamtsleiter Christian Meixner eingeladen, zu diesem Thema zu referieren und auch aufzuzeigen, wie sich die Situation im Raume Rosenheim darstelle. Die zahlreichen Fragen seitens der Veranstaltungsteilnehmer zeigten, dass die Rosenheimer Senioren-Union nicht nur mit der Thematik, sondern auch mit der Wahl des Referenten „goldrichtig“ gelegen hatte. 

Am Anfang seines Vortrages skizzierte Meixner sowohl die Ziele als auch das meist nur Insidern bekannte, umfassende Aufgabenspektrum des Sozialamtes, welches 

Am Anfang seines Vortrages skizzierte Meixner sowohl die Ziele als auch das meist nur Insidern bekannte, umfassende Aufgabenspektrum des Sozialamtes, welches lautet: „Bedürftigen durch Sozialleistungen ein Leben zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht“- Zu den primären Aufgaben zählen z. B. Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Wohnungswesen, Besondere soziale Angelegenheiten, Wohngeld, Bildungs- und Teilhabeleistungen, Versicherungswesen, Obdachlosenhilfe und auch die Betreuung von Asylbewerbern.

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung können ältere Personen nach Erreichen der Altersgrenze oder Personen, die das 18.Lebensjahr vollendet haben und dauerhaft voll oder teilweise erwerbsgemindert sind, beziehen. Zusätzlich als Ansprechpartner und Hilfe für alle Seniorenfragen, so Sozialamtsleiter Meixner, steht in der Stadt Rosenheim auch der Seniorenbeirat mit seinem Vorsitzenden Josef Kugler zur Verfügung. Und speziell für Belange der Menschen mit Behinderung berät Behindertenbeauftragte Christine Mayer.  

Natürlich hatte Referent Meixner auch grundsätzliche Fragen zur Altersarmut zu beantworten. Der demografische Wandel, die historisch niedrigen Zinsen auf Rücklagen zur privaten Altersversorgung, das sinkende Rentenniveau, die Zunahme von Minijobs und Teilzeitkräften sowie zunehmender Niedriglohnbereich  sowie atypische Beschäftigungsverhältnisse sind ursächlich. Aber nicht nur der demografische Wandel selbst, sondern auch der prognostizierte Wandel in der Arbeitswelt trägt zur Altersarmut bei. Als armutsgefährdet gelten Rentner, deren monatliches Netto-Einkommen derzeit unter 958 Euro liegt. Der Sozialetat sowohl im Bund als auch in den Kommunen „mausert“ sich allmählich zu sehr großen Haushaltsposten. 

Auf Rosenheim bezogen nannte Meixner nachstehende Vergleichszahlen: das Gesamtvolumen des städtischen Ergebnishaushaltes beläuft sich für das Jahr 2017 auf 190 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen der Brutto-Aufwendungen für Soziale Sicherung wie Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Wohngeld, etc. beläuft sich bereits auf 27 Millionen Euro. Zum Vergleich: Brutto-Aufwendungen für Kinder- und Jugendhilfe im gleichen Zeitraum belaufen sich auf 42 Millionen Euro. Größere Sorgen bereitet Sozialamtsleiter Meixner die Wohnungssituation in Rosenheim. Es werde immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum für sozial Bedürftige zu beschaffen. 

Für die Teilnehmer an der im Gasthaus „Höhensteiger“ stattgefundenen Veranstaltung bot sich nach Meixners fundierten Ausführungen hinreichend Gelegenheit, den Fachmann ausgiebig zu befragen und in eine Welt „jenseits von Glanz und Glimmer“ einzutauchen und sich bewusst zu werden, dass jede glänzende „Wohlstandsmedaille“ auch eine Rückseite hat und dass nicht alle Menschen die Chance haben, „On the Sunny Side oft the Street“  zu flanieren.                                                                                               je.

 

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Mit einem Präsent bedankte sich Sieglinde Wunsam.